ehemalige Schulschach-Referentin der Pfalz




Letzte Änderung:    09. Feb. 2018



Schach-Gedichte

Ein Mensch sitzt da, ein schläfrig trüber,

ein andrer döst ihm gegenüber,

sie reden nichts, sie sitzen stumm.

Mein Gott, denkst du, sind die zwei dumm.

Der eine brummt, ganz nebenbei

ganz langsam, Turm a sechs a zwei .

Der andere wird allmählich wach

und knurrt: Turm e drei d drei Schach!

Der Erste, weiter nicht erregt,

starrt vor sich hin und überlegt.

Dann plötzlich, vor Erstaunen platt,

seufzt er ein einzig Wörtlein: Matt.

Und die du hieltst für niedre Geister,

erkennst du  jetzt als hohe Meister!


- Eugen Roth –



Die Hängepartie


Wer stolpert des Nachts da die Treppe herunter?

Ein Schachspieler ist’s, noch nicht völlig munter.

Er hat geträumt von der Hängepartie

im Schlaf noch gesucht nach dem Rettungs-Remis.

Da ist ihm im Traume Caissa erschienen

und zeigte ihm lächelnd den Weg zum Gewinnen!

„Viel Glück!“ hat sie zum Schluss ihm gesagt,

dann ist aus dem Schlafe er aufgewacht.

Er tastet im Dunkeln, seine Frau nicht zu wecken,

sie nicht aus tiefem Schlafe zu schrecken,

drum stößt er den Kopf sich und mit Gewimmer

erreicht er nun endlich das Arbeitszimmer,

kramt Brett und Figuren dort aus dem Regal,

die Uhr fällt ihm runter, doch das ist ihm egal,

die braucht er jetzt nicht, auch macht’ es kaum Krach,

und so ganz ist er sowieso noch nicht wach.

Er sucht nach dem Schalter, hat endlich Licht,

baut auf nun die Stellung, er vergisst sie ja nicht,

prüft dann den Traumzug, den Caissa verriet,

und kann es kaum fassen, was er da sieht:

Der Zug gewinnt wirklich! - Aber da kommt es ihm eben:

Die Partie hat er gestern ja aufgegeben!



Das Schachspiel


Schach, das ist ein schönes Spiel,

für den Verstand und das Gefühl.

Drum spielen wir es mit Genuss

ganz konzentriert bis hin zum Schluss.

Mag es enden, wie es will,

stets gibt´s der Möglichkeiten viel'.

Mal sieht die Partie für Dich sehr günstig aus,

dann kommt dir wieder kalter Graus,

weil der Gegner einen guten Zug stolz machte,

dass ihm selbst das Herze lachte.

Bis den Gegenzug du weißt,

das Gehirn dir fast zerreißt ...

Und die Spannung steigt und steigt.

Wer trompetet, wer vergeigt?

Oder geht der euch beiden flöten,

und Remis ist vonnöten?

Setzt sich durch die Strategie

oder eine List, die wurd' erwartet nie?

Schach das ist ein schönes Spiel,

für den Verstand und das Gefühl


- Siegmund Heidelberg -



Eröffnungsfallen


Ein Mensch, der vor dem Schachbrett sitzt

und über Varianten schwitzt

der grübelt hin und grübelt her,

welches der beste Zug wohl wär'.

Doch kann er sich nicht recht entscheiden,

drum muss er unter Zeitnot leiden.

Des langen Wartens selbst verdrossen,

hat er zum Ziehen sich entschlossen.

Mit der Eröffnung kommt er nicht zurecht,

deshalb ist sein Zug sehr schlecht.

Wenig Züge später, er kann es nicht fassen,

muss er Sieg und Punkt dem Gegner überlassen.

Fazit: Die Eröffnung ist im Schach sehr wichtig,

studiere sie, dann ziehst du richtig!


- Hein Wirries -



Der Affe


Ein Affe sah ein paar geschickte Knaben

im Brett einmal die Dame ziehn

und sah auf jeden Platz, den sie dem Steine gaben,

mit einer Achtsamkeit, die stolz zu sagen schien,

als könnt' er selbst die Dame ziehn.

Er legte bald sein Missvergnügen,

bald seinen Beifall an den Tag;

er schüttelte den Kopf itzt bei des einen Zügen

und billigte darauf des andern seinen Schlag.


Der eine, der gern siegen wollte,

sann einmal lange nach, um recht geschickt zu ziehn;

Der Affe stieß darauf an ihn

und nickte, dass er machen sollte.

»Doch welchen Stein soll ich denn ziehn,

wenn du's so gut verstehst?« sprach der erzürnte Knabe.

»Den, jenen, oder diesen da,

auf welchen ich den Finger habe?«

Der Affe lächelte, dass er sich fragen sah,

Und sprach zu jedem Stein mit einem Nicken: »Ja.«


Um deren Weisheit zu ergründen,

die tun, als ob sie das, was du verstehst, verstünden:

So frage sie um Rat. Sind sie mit ihrem Ja

bei deinen Fragen hurtig da:

So kannst du mathematisch schließen,

dass sie nicht das Geringste wissen.


- Christian Fürchtegott Gellert -


Quelle: Werke, Band 1, Frankfurt a.M. 1979, S. 119-120.

http://www.zeno.org/nid/20004806298


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