ehemalige Schulschach-Referentin der Pfalz




Letzte Änderung:    09. Feb. 2018



Der äußere Rahmen

Schulform


Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob Sie Schach an einer Ganztagsschule oder einer Halbtagsschule anbieten. Auch besteht die Möglichkeit, Schach nicht nur als AG sondern auch in Form einer Unterrichtsstunde für die ganze Klasse zu erteilen. Dieses ist gerade in RLP im Trierer Raum an Grundschulen hin und wieder anzutreffen (-> Trierer Schachstudie). An der Integrierten Gesamtschule Trier gibt es inzwischen – initiiert durch den rheinlandpfälzischen Schulschachreferent Herrn Bernd Mallmann - das Wahlpflichtfach Schach im regulären Unterricht.


An Ganztagsschulen sind die AGen fest im Unterrichtsplan eingebunden. Die Schüler geben 1.-/2.- und 3.-Wünsche ab und werden dementsprechend den AGen zugewiesen. Dabei kann es natürlich vorkommen, dass auch Kinder in der AG sind, für die Schach nur das „geringste Übel“ darstellt, die aber das ganze Halbjahr mit in der Gruppe sind und immer wieder aufs Neue motiviert werden müssen.

An Halbtagsschulen finden die AGs in der Regel auf freiwilliger Basis statt, d.h. die Kinder müssen keine AG wählen. Wer keine AG hat, der hat Unterrichtsende und geht nach Hause. Das hat für den AG-Leiter den Vorteil, dass sich nur die Kinder für Schach anmelden, die Schach spielen oder lernen wollen. Die Teilnahme an der AG ist dann allerdings nach Anmeldung der Kinder auch für das Halbjahr verpflichtend. Es kommt aber durchaus vor, gerade an weiterführenden Schulen – so realistisch sollte man schon sein – dass das ein oder andere Kind feststellt, dass seine Erwartungen an die Schach-AG nicht erfüllt werden und dann der AG trotz Verpflichtung fern bleibt, die Anzahl der Schüler in der Gruppe schrumpft also mit der Zeit. Findet Schach in Form eines elternfinanzierten Schachkurses an der Halbtagsschule statt, tritt dieses Problem in der Regel nicht auf.


Momentan unterrichte ich Schach an einer weiterführenden Ganztagsschule (Lise-Meitner Gymnasium Maxdorf) und einer Halbtagsschule (Astrid-Lindgren-Grundschule Ludwigshafen). Zu Beginn meiner Tätigkeit war ich auch an einer Halbtags-Grundschule mit Ganztagsangebot aktiv.

Somit habe ich Erfahrungen in den verschiedenen Schulformen sammeln können.



Zusammensetzung der Gruppen


Ist die AG fest im Stundenplan der Schule eingebunden, ist sie in der Regel jahrgangshomogen. So habe ich am Gymnasium an dem einen Nachmittag zwei Gruppen mit 5.-Klässlern, an einem anderen Nachmittag zwei Gruppen mit nur 6.-Klässlern. Auf die Zusammensetzung der Gruppen habe ich nur geringen Einfluss. Das erste Schulhalbjahr bei den 5.-Klässlern ist immer sehr spannend, da mir ja in der Regel sämtliche Kinder unbekannt sind, ich daher nicht weiß, was sie schon alles in Schach können. Somit habe ich oft eine sehr große Leistungsbreite. Übertragen auf Mathe habe ich Kinder, die sich gerade im Zahlenraum bis 20 mit Plus und Minus bewegen, andere, die schon locker mit Brüchen jonglieren, und viele andere irgendwo dazwischen. Wirklich neu mit Schach fangen in der 5. Klasse die wenigsten Kinder an, Grundkenntnisse sind in der Regel vorhanden.


An meiner Grundschule finden die Schachkurse, für die die Kinder direkt bei mir angemeldet werden, gleich nach dem Unterricht statt. Nach der 4. Schulstunde sind dann nur 1.- und 2.-Klässler in der Gruppe, in den späteren Gruppen können Kinder aller Altersstufen vertreten sein. Inzwischen sind viele meiner Grundschüler nach dem Unterricht in der Betreuung oder im Hort. So habe ich ziemlich freie Hand in der Einteilung der Gruppen und versuche sie in der Regel leistungshomogen zusammen zu setzen, nicht altersmäßig. An der Grundschule ist der Prozentsatz der Kinder, die wirklich neu mit Schach anfangen, noch relativ hoch. Die meisten meiner Schach-Kinder bleiben dann bis zum Ende der 4. Klasse dabei.



Mädchen/Jungen.


Während der Prozentsatz an Schach spielenden Mädchen in der Grundschule bei mir so 25-30% der Kinder beträgt, ist er am Gymnasium kleiner als 10%. Es gab durchaus Jahrgänge, in denen kein einziges Mädchen vertreten war. Allerdings gibt es an der Schule, da die AGen Plicht sind, auch sehr viele interessante AG-Alternativen, so dass ich da mit starker Konkurrenz konfrontiert bin, was in der Grundschule nicht der Fall ist. Wenn sich dann aber tatsächlich einmal das ein oder andere Mädchen für Schach gemeldet hat und bei mir in der AG ist, auch wenn es der Letztwunsch war, dann liegt es an mir, es so für Schach zu begeistern, dass es auch in den folgenden Halbjahren dabei bleibt, was mir bislang immer geglückt ist. Auch Mädchen können sehr gut Schach spielen!



Gruppengröße


Gruppengrößen von bis zu 8 Kindern (bei den jüngeren) und 10-12 (bei den älteren) haben sich bei mir zum effektiven Lernen bewährt. Ansonsten kommt aus meiner Sicht die Betreuung/Beobachtung/Hilfe sowohl in der Theorie- als auch in der Spielphase zu kurz. Je jünger die Kinder, umso kleiner sollte die Gruppe sein, da der Betreuungsaufwand größer ist. Bei meinen 1.- und 2.-Klässlern habe ich in der Regel 6-8 Kinder, bei den älteren Grundschülern meistens 8, manchmal in Ausnahmefälle bis zu 10 Kindern. Am Gymnasium mit den Pflicht-AGen habe ich kaum Einfluss auf die Gruppengröße. Aber auch dort bei den 5.- und 6.-Klässlern hat sich eine Gruppengröße von 8 – max. 12 Schüler als sinnvoll und praktikabel herausgestellt. Allerdings hatte ich auch schon mal nur 4 Schüler in einer Gruppe, was kurzfristig durchaus ganz erholsam sein kann, auf Dauer sind mir aber mehr verschiedene Spielpartner für die Schüler angenehmer.

Außerdem sollte auch nicht ganz außen vor gelassen werden, dass es – wie in jeder anderen Gruppe auch – zwischenmenschliche Schwierigkeiten unter den einzelnen Schülern gibt, die hin und wieder geklärt werden müssen. Mit zunehmender Gruppengröße ist da natürlich auch ein größerer Zeitaufwand notwendig. Schach in der Gruppe ist auch soziales Lernen.



Der zeitliche Rahmen

 

Anzahl der Stunden

Findet die AG einmal wöchentlich statt, stehen erfahrungsgemäß pro Halbjahr nicht mehr als 15 Stunden zur Verfügung. Auch wenn man rechnerisch zu Beginn des Halbjahres nachzählt und auf eine höhere Anzahl an Stunden kommt, fallen bestimmt einige Stunden aus wegen Konferenz, Klassenfahrten, Projekttage, Wandertage, Sporttage, eigene Fehltage (z.B. durch Krankheit) und sonstige schulische Veranstaltungen.

Plant man dann noch die ein oder andere Stunde mit besonderem Inhalt ein (z.B. erste Stunde zum Kennenlernen der neuen Schüler (was wissen sie schon?), letzte Stunde vor den Sommerferien, Schachprüfung, AG-Turnier) stehen zum Bearbeiten von Themen oft nur noch 12 Stunden im Halbjahr zur Verfügung, das ist eine recht kurze Zeit.

  

Dauer der Stunden

In den wenigsten Fällen haben wir als AG-Leiter Einfluss auf die Dauer der Schachstunde. In der Regel orientiert sie sich an die Dauer der Schulstunde, d.h. sie ist 50 Minuten lang. Am Gymnasium Maxdorf ist der AG-Nachmittag (eigentlich 3 Unterrichtsstunden) auf zwei AG-Blöcke aufgeteilt worden, so dass ein Block 70 Minuten dauert. Diese Zeitdauer finde ich persönlich ideal, um sowohl theoretische als auch praktische Elemente in der Schachstunde unterzubringen. Eine Doppelstunde ist gerade für die jüngeren Kinder in aller Regel schon schon zu lang.



Räumlichkeiten/Material

 

Hier gibt es einiges, was das Leben des AG-Leiters erleichtert oder erschwert. Dazu stelle ich einfach mal ein paar Fragen in den Raum:

In welchen Räumen findet die Schach-AG statt?

Habe ich die Möglichkeit, einen eigenen Raum-/Schulschlüssel zu bekommen, um jederzeit Zutritt zu haben oder bin ich auf die Anwesenheit anderer Personen mit Schlüssel (Lehrer, Hausmeister, Reinigungskräfte) angewiesen?

Habe ich einen festen Raum zur Verfügung oder muss ich öfters mal wechseln?

Ist es ein Klassenraum oder ein ungenutzter Raum, der (fast) nur mir zur Verfügung steht?

Kann ich die Tische so stellen, wie ich es für meine Belange für sinnvoll erachte und so stehen lassen (in einem ungenutzten Raum möglich), oder muss ich mich mit der Tischordnung des Klassenraumes arrangieren, ggf. laufend umräumen (Zeitaufwand beachten)?

Gibt es im AG-Raum einen möglichst abschließbaren Schrank für das Spielmaterial oder muss ich es irgendwo anders unterbringen und herholen?

Hat die Schule eigenes Schachmaterial zur Verfügung oder muss ich das benötigte Spielmaterial von einem Verein jedes Mal mitbringen?


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