ehemalige Schulschach-Referentin der Pfalz




Letzte Änderung:    09. Feb. 2018



Die schachliche Entwicklung von Kindern

Viele schachspielende Eltern und auch einige Schachtrainer in Vereinen neigen dazu, ihr schachliches Wissen den Kindern aus Erwachsenenperspektive anzubieten bzw. überzustülpen, was sich darin spiegelt, dass den Kindern in kürzester Zeit die Gangarten der Figuren gezeigt werden und dann sofort auf das aus ihrer Sicht wichtigste am Spiel, dem Mattsetzten (denn schließlich will man ja gewinnen), übergegangen wird, dicht gefolgt von Eröffnungsstrategien. Spielen diese Kinder dann auf ihren ersten Turnieren, sehe ich diese Erwachsenen oft innerlich am Rotieren und sich an den Kopf fassen, weil ihr Kind schon wieder das einzügige Matt nicht sieht, laufend Figuren einstellt, die Dame schon früh verloren hat und die gefahrlos zu schlagenden Figuren des Gegners nicht schlägt. Hinterher wird das Kind in den Senkel gestellt und vor der nächsten Runde zum wiederholten Male lehrmeistermäßig abgefragt, was es in der Eröffnung alles wie zu machen hat und nochmal ermahnt, dass es alles abzutauschen hat was geht …


Dabei wird ganz außer Acht gelassen, (und ich gebe zu, woher sollte man es auch wissen) dass es auch beim Erlernen von Schach eine „natürliche“ Entwicklung gibt, die jedes Kind durchläuft, je nach Typ in einem individuellen Tempo. Dieses ist vergleichbar mit der motorischen Entwicklung von Kindern. Ein Kind lernt nicht schneller laufen, wenn wir es im zarten Alter von 5 Monaten immer wieder auf die Füße stellen. Ein Kind, das nicht stabil ohne umzufallen sitzen kann, wird sich nicht schnell krabbelnd fortbewegen oder gar schon in die Senkrechte hochziehen. Jede Phase hin zu einem souverän laufenden Kind (rollen, sitzen, krabbeln, hochziehen, stehen) wird in einem individuellen Tempo durchlaufen, einige Phasen überschneiden sich teilweise. Auch ein Kind, das gerade laufen lernt, wird zwischendurch noch mal krabbeln, eben weil es das sicher und schnell beherrscht und damit nur auf schon aufgebaute/vorhandene Kompetenzen zurückgreift. Und so, wie es Kinder gibt, die tatsächlich schon mit 8 oder 9 Monaten laufen können, gibt es eben auch Kinder, die das erst mit 1,5 Jahren tun. Wunderkinder und Spätzünder gibt es überall.


Ein chinesisches Sprichwort besagt:          



Dieses trifft nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die schachliche Entwicklung zu. Aber selbstverständlich können wir, und das ist unsere Aufgabe, günstige Rahmenbedingungen schaffen und sie bei ihrer Entwicklung unterstützend begleiten. Berücksichtigen wir diese Entwicklungsphasen, dann bringen uns auch die eingestellten Figuren und übersehene Mattmöglichkeiten unserer Schüler nicht an den Rand eines Herzinfarktes, können selber viel gelassener und entspannter mit diesen Situationen umgehen. Das kommt dann letztendlich auch wieder unseren Schülern zu Gute.


Wenn wir Schachlehrer von diesen Entwicklungsphasen wissen und sie in unserem Trainingsangebot berücksichtigen, ist es nicht nur möglich, unseren Schülern Schachkenntnisse zu vermitteln, sondern sie mit dem Schachvirus zu infizieren, sie mit der Faszination Schach anzustecken.

Dazu müssen uns diese Entwicklungsphasen aber selbst erst einmal bewusst werden. Erfahren habe ich davon - ganz kurz angesprochen - auf einem Schulschach-Patentlehrgang. Auf meiner mühseligen Suche nach Literatur für Schachtrainer, wie man Kindern Schach beibringt, (Didaktik und Methodik), die leider im deutschsprachigem Raum sehr dünn gesät ist, habe ich dazu nur in einem Buch - da aber relativ ausführlich - etwas zu gefunden:


Stappenmethode, Schach lernen Stufe 1, Handbuch für Schachtrainer.


Bei meinem langjährigen Umgang mit den Kindern konnte ich sie in ihrer Entwicklung ausgiebig beobachten und feststellen, dass diese Phasen definitiv existieren.

Deswegen möchte ich auf den folgenden Seiten diese ausgiebig erläutern.


Die Entwicklungsphasen lassen sich wie folgt gliedern:





„Gras wächst nicht schneller, auch wenn man daran zieht.“

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