ehemalige Schulschach-Referentin der Pfalz




Letzte Änderung:    09. Feb. 2018



Die Stappenmethode

Allgemein


Die Stufenmethode wurde in den 80ger Jahren von Rob Brunia und Cor van Wijgerden

in den Niederlanden aus ihrer schachtechnischen und didaktischen Erfahrung heraus entwickelt und berücksichtigt gut die Entwicklung von Kindern.

Seit 2004 gibt es die Stappenmethode auch in deutscher Übersetzung und anderen Sprachen.


Die Methode geht stufenweise vor und baut aufeinander auf. Das machen zwar andere Lehrmethoden auch, die berücksichtigen aber nicht die schachtechnischen Entwicklungsstufen der Kinder, sondern stülpen ihnen eher Schach aus Erwachsenenperspektive über, die Reihenfolge, die Gewichtung der einzelnen Themen und der veranschlagte Zeitbedarf zum Erlernen der Themen ist aber eine andere.

Bei der Stappenmethode wird den Kindern ein viel größerer Raum gegeben, die Grundfertigkeiten (angreifen, verteidigen, schlagen) einzuüben und so die Möglichkeiten/Mächtigkeiten der einzelnen Figuren zu erfahren/zu trainieren. Langsam erobern sich die Kinder das ganze Spielfeld und können dann auch die langschrittigen Figuren sinnvoll einsetzen. Erst wenn der Raum voll erfasst wird und ein Gefühl für das Zusammenspielen von Figuren vorhanden ist, kann ans Mattsetzen gedacht werden. Somit wird gerade zum Anfang nicht zu schnell vorgegangen.


Im Handbuch der ersten Stufe steht Folgendes:

Zitat: Das richtige Lösen der Aufgaben und das Erhalten einer Urkunde sagt noch wenig über die Spielfähigkeit oder Spielstärke aus. Erst wenn die Schüler das Gelernte regelmäßig in ihren Partien anwenden, kann an eine folgende Stufe gedacht werden. Für Kinder, die in ihren Partien die ungedeckten Figuren ihres Gegners nicht schlagen, ist die Stufe 2 noch zu hoch gegriffen. Die elementaren Grundkenntnisse zu erlernen erscheint einfach und verleitet einige Lehrer dazu, diese Stufe in drei Monaten durchzuziehen. Diese Herangehensweise ist nicht ideal. Für das Erlernen wesentlicher Techniken wie das 'Mattsetzen' ist eine viel längere Lernzeit erforderlich. So erscheint es sinnvoll, für die Bearbeitung der 'ersten Stufe' ein Jahr zu veranschlagen (von Ausnahmen abgesehen). Nur so sind die Grundkenntnisse solide zu verinnerlichen. Die hierbei 'verlorene' Zeit wird später spielend wieder aufgeholt.


Eine ausführliche Beschreibung der Stappenmethode ist im Buch „Schach lernen, Handbuch für Schachtrainer“ Stufe 1(Wiederholung noch einmal in Stufe 2) enthalten. Auch gibt es Informationen unter www.stappenmethode.nl und hier zu einer Umfrage.


Zu den Handbüchern


In den Handbüchern für Schachtrainer der Stufen 1 und 2 finden Sie auf den ersten ca. 30 Seiten sehr viele Informationen, die sie sowohl für das Verständnis mit dem Arbeiten mit Kindern benötigen als auch für die Unterrichtsgestaltung/Didaktik.

So gibt es Themen wie:


- wie Kinder Schach spielen lernen

- Organisatorisches

- Motivation der Kinder

- Anordnung des Lernstoffs (Reihenfolge)

- Unterrichten (Stundenaufbau, Orientierung, Stoffvermittlung, Verarbeitung, Differenzierung,

    Berücksichtigung von Vorkenntnissen, )


In dieser Ausführlichkeit und Tiefe habe ich noch in keinem von mir gelesenen Lehrbücher etwas gefunden.

Auch wenn Sie nicht nach dieser Methode oder mit dem Material unterrichten, sind diese Bücher bestimmt trotzdem sehr hilfreich und informativ für Sie.

Eine kleine Kostprobe ist der folgende Punkt, ein Zitat aus dem Handbuch der Stufe 2:


Merkmale des Spiels von Kindern


Kinder machen in der Anfangsphase natürlich Fehler. Das Spiel von Kindern hat die folgenden Merkmale:


Kinder spielen am Brettrand.

Sie suchen hiermit die Sicherheit des Randes. Hier kann man nur von einer Seite angegriffen werden, und es lauert weniger Gefahr.

Kinder spielen mit nur wenigen Figuren.

Dieser Aspekt steht im Zusammenhang mit der eingeschränkten Übersicht über das Spiel. Sie können nur auf einige Figuren gleichzeitig achten. Die Möglichkeiten einer Figur sind schon umfassend genug.

Von Zusammenarbeit zwischen den Figuren ist kaum die Rede. Das äußert sich in "vielen Bauernzügen" und "sinnlosem Schachgeben".

Kinder sind auf Material fixiert.

Felder, auf denen nichts steht, sind nicht interessant. Kinder legen es vor allem darauf an, die Figuren des Gegners zu schlagen.

Kinder spielen schnell.

Spielen und Schlagen sind die attraktiven Seiten des Spiels. Wenn man schnell einen Zug macht, ist man auch schnell wieder dran. Das Nachdenken des Gegners wird nicht gern gesehen ("Du bist dran!").

Eine Eigenart der Kinder ist, dass sie ihre Ideen schnell ausführen wollen, aus Angst, sie zu vergessen.

Kinder sehen nur ihre eigenen Möglichkeiten.

Sie berücksichtigen eventuelle Chancen des Gegners nicht, nur die eigene Aktion ist wichtig. Das Gefühl für Gefahr ist größtenteils nicht vorhanden. Das zeigt sich unter anderem bei einem plötzlichen Matt oder einem Freibauern, der ungehindert bis zum Umwandlungsfeld durchläuft.

Kinder gebrauchen nur einen begrenzten Teil des Brettes.

Sie denken, dass mit dem Einschränken ihrer Welt auch die Probleme geringer sein werden.

Das ganze Brett zu überblicken ist für Kinder noch schwierig.

Dies führt nicht nur zu Fehlern bei langschrittigern Zügen, sondern auch zu Irrtümern wie "ins Schach laufen" oder "ein Schach nicht beachten".


Beim Begleiten von Kindern müssen wir auf diese "Anfängerfehler" achten. Man sollte sich dessen bewusst sein, ohne sofort eingreifen zu wollen.

Zu sagen, dass man nicht am Rand spielen soll, hat keinen Sinn, wenn wir den Kindern nicht beibringen, wie die Figuren optimal zusammenarbeiten. Erst dann erscheint es den Kindern sinnvoll, das Spiel am Brettrand zu unterlassen, ebenso wie das Spielen mit wenigen Figuren. Sich auf das Material zu konzentrieren ist ein natürlicher und notwendiger Entwicklungsprozess. Eingreifen ist nicht direkt nötig.

Das schnelle Spiel wird beim Hinzulernen verschwinden. An dieser Stelle gibt es Grund zum Nachdenken. Gut gemeinte Ratschläge, länger nachzudenken, sind daher anfangs nicht sinnvoll. Das Kind wird nur formhalber mit dem Spielen warten. Die Gefahr besteht, dass das Interesse fürs Spiel teilweise verloren geht.

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